Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. In der Schwerhörigen-Szene kann man über diese Redewendung nur müde lächeln. Der Grund: Empirische Daten zum Thema Schwerhörigkeit in Deutschland gibt es – trotz häufiger Nachfrage – noch immer nicht. Nicht, weil es am Willen fehlt, sondern weil solche Datenerhebungen, wenn sie repräsentativ sein solle, sehr viel Geld kosten. Das bedeutet nicht, dass es keinerlei Querschnittstudien gibt. Im Auftrag des Deutschen Grünen Kreuzes wurde im Zeitraum von Oktober 1984 bis Mai 1986 in Westdeutschland einschließlich Berlin West eine Studie (v. Stackelberg, 1986) zur Erfassung von Ausmaß und Umfang von Hörschädigungen durchgeführt. Aufgrund der verwendeten Auswertungsmethodik, kann diese allerdings nicht mit internationalen Studien verglichen werden. Zudem sind die Originaldaten der Untersuchung v. Stackelberg nicht mehr verfügbar.

Vier Jahre später erschien eine neue Studie von Dr. med. Wolfgang Sohn (2000) und Dr. med. Werner Jörgenshaus (2001). Sie hatte das Ziel „repräsentativ und statistisch abgesicherte Daten sowohl über die Hörfähigkeit der deutschen Bevölkerung zu erhalten als auch Informationen über deren Einstellungen, Verhalten und Meinungen bezüglich Hörgeräten zu bekommen.“ (Quelle: Wie viele Menschen sind schwerhörig, Z Audiol 2019; 47 [2] 61-70)

Studien Schwerhörigkeit 1986 und 2001
Verteilung der subjektiven Schwerhörigkeit in verschiedenen Altersgruppen nach v. Stackelberg (links). Prozentuale Verbreitung von Schwerhörigkeit in verschiedenen Altersgruppen bewertet mit dem Tonaudiogramm nach Sohn und Jörgenshaus (rechts). Quelle: Z Audiol 2010; 49 (2) 61-70

Info: Auch das Robert Koch-Institut hat sich 2010 des Themas Hörbeeinträchtigung angenommen. Da es sich bei der Untersuchung allerdings um eine telefonische Gesundheits-Umfrage handelte, waren schwer hörbeeinträchtigte oder gehörlose Personen von der Teilnahme ausgeschlossen. 


Algorithmus des Deutschen Schwerhörigenbundes

Der Deutsche Schwerhörigenbund (DSB) stützt seine Daten auf die Basisuntersuchung aus dem Jahr 1999 von Dr. Wolfgang Sohn. Danach sollen schätzungsweise 19 % der deutschen Bevölkerung über 14 Jahre eine Hörbeeinträchtigung haben. Bei einer Bevölkerungszahl von 70 Millionen entspricht das etwa 13,3 Millionen Menschen in Deutschland, die hörbeeinträchtigt sind.

Beachten Sie bitte, dass die ursprüngliche Studie zwar repräsentativ gewesen ist, allerdings seitdem viele Jahre vergangen sind, in denen es keine vergleichbaren Erhebungen gab. Allerdings hat der DSB daraus einen Algorithmus errechnet, aus dem sich „gewissermaßen eine grobe Ausrichtung über die Entwicklung der Anzahl der Schwerhörigen in Deutschland ableiten lässt„. Genaue Zahlenangaben finden sich im Abschnitt Statistik auf der Website des DSB mit Angaben zur Methodik und der Errechnung des Algorithmus. 

Weitere Informationen

 

Empirische Daten zu Schwerhörigkeit in Deutschland

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