Bisher wurden die eingezahlten Gelder laut unserer Kassenberichte zur Unterstützung der verarmten Berufslosen verwertet. Wäre es aber nicht viel richtiger, wir beugten dieser Verarmung vor, indem wir anstatt Almosen Arbeit liefern?  (Margarethe von Witzleben)

 

Aufopferndes Engagement für schwerhörige und ertaubte Menschen

Margarethe zeigte von früher Jugend an ein bemerkenswertes Maß an Initiative und sah es als ihre lebenslange Aufgabe an, sich trotz ihrer Hörbeeinträchtigung intellektuell weiterzuentwickeln und ihrem Leben einen tieferen Sinn zu geben. Dabei lag das Augenmerk der christlich orientierten und gläubigen Freifrau vor allem darauf, sich für andere Menschen einzusetzen, die nicht wie sie aus privilegierten Verhältnissen stammten, sondern eher am unteren Ende der sozialen Skala.

Damit ignorierte sie ganz bewusst die Denkgepflogenheiten ihres Standes und ihrer Zeit. Ihr Ziel war die Eingliederung der Schwerhörigen − unabhängig von deren sozialem Status.

Margarethe bei einem Lesenachmittag mit Kindern.
Margarethe bei einem Lesenachmittag mit Kindern. Sie unterrichtete besonders gerne in der von ihr aufgebauten Haushaltsschule. Auch die Leseabende waren äußerst beliebt, bei denen Margarethe meist selbst vorlas und ihren Gästen gern kleine Kuchen und Tee servierte.

Nicht zuletzt war es ihr eine Herzensangelegenheit zu zeigen, dass selbstredend auch schwerhörige und ertaubte Menschen die Gemeinschaft bereichern können. Denn jene gerieten damals sehr häufig in größte seelische Not. Sie hatten keine Lobby, keine Fürsprecher, keinerlei Unterstützung. Schwerhörigkeit und Einsamkeit gingen seinerzeit häufig Hand in Hand.

Besonders die „geistigen Entbehrungen“, wie es Margarethe gerne nannte, waren groß. Schwerhörigen und Ertaubten blieb Vieles verschlossen: Bildung, Musik, Unterhaltung und leider auch soziale Interaktion.

Anders als heute, wurde seinerzeit im Öffentlichen Raum auf Hörbehinderte keine Rücksicht genommen. Es gab keine Sprachdolmetscher, keine Induktionsanlagen und auch keine Hörhilfsmittel, wie wir sie heute kennen.

Diese Menschen konnten natürlich Veranstaltungen besuchen, doch kümmerte sich niemand darum, dass sie auch verstehen, worum es ging. So wundert es nicht, dass diese Tatsache als entmutigend gewertet wurde, ja, dass sich schwerhörige und ertaubte Menschen oftmals minderwertig fühlten.

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Margarethe von Witzleben hat nie geheiratet. Für die damalige Zeit ungewöhnlich. Dennoch gab sie ihrem Leben einen tieferen Sinn. Sie sah es als ihre Aufgabe an, sich um das Wohl hörbehinderter Menschen und ganz besonders um das der Kinder zu kümmern.

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