Margarethe von Witzleben (1853 - 1917)

Am 22. Februar 1853 als Tochter eines adligen Rittergutsbesitzers geboren, wuchs Margarethe von Witzleben auf dem sächsischen Schloss Kitzscher auf. Christlich orientiert wurden Wohltätigkeit und Aufopferung für andere zur Richtschnur ihres Lebens. Gemeinsam mit ihrer Freundin Elisabeth von Bistram organisierte sie zunächst "Sommerfrischen" für Berliner Arbeiterinnen. Als ihre Freundin die Leitung des Berliner Marienheims übernahm, unterstützte sie diese tatkräftig. In diesem Heim fanden Berliner Arbeitermädchen Kost und Logis und wurden in Haushaltslehre unterrichtet. Mädchen vom Lande kamen hier unter, bis sie eine Arbeitsstelle fanden.

Margarethe von Witzleben

Selbst betroffen - im 13. Lebensjahr bemerkte man bei Margarethe von Witzleben eine schleichende Abnahme des Hörvermögens - verfasste sie die Schrift "Hephata! Ein Wort an Schwerhörige und Taube von einer Leidensgenossin". Darin formulierte sie eine Art Programm. Sie thematisierte eine nicht sichtbare Behinderung öffentlich und versuchte, schwerhörigen und ertaubten Mitmenschen Wege zu weisen, wie sie ihre kommunikative Behinderung in der Gemeinschaft ausleben können. Damit half sie Frauen, Männern und Kindern aus der Isolation heraus.

Im Jahre 1901 organisierte Margarethe von Witzleben den ersten Gottesdienst für Schwerhörige und Ertaubte. Daraus entstand die Hephata-Gemeinde. Zu einer Zeit, als Behinderten-Selbsthilfe,noch dazu von einer selbst betroffenen Frau organisiert, überhaupt nicht selbstverständlich war, gründete sie damit die erste Schwerhörigen- und Ertaubten-Selbsthilfe-Gruppe. Darüber hinaus organisierte sie Sammlungen für bedürftige Schwerhörige und Ertaubte, richtete Wohltätigkeitsbasare aus, vermittelte Arbeitsstellen und gab die Zeitung "Hephata!" heraus. Der Hephata-Verein Berlin entstand und über ihre Zeitung, über persönliche Kontakte und die Durchführung von "Sommerfrischen" für Schwerhörige und Ertaubte initiierte sie die Gründung von Selbsthilfevereinen Gleichbetroffener in vielen Städten.

1914 schlossen sich 6 Vereine und 20 Gemeinden in Deutschland zum Hephata-Bund zusammen.

Als Margarethe von Witzleben am 1. Februar 1917 starb, hatte sich die Selbsthilfe der Schwerhörigen und Ertaubten in Deutschland schon fest etabliert. Heute verleiht der Deutsche Schwerhörigenbund die "Margarethe-von-Witzleben-Medaille" als höchste Verbandsauszeichnung für besondere Verdienste um die Belange der Schwerhörigen und Ertaubten. Seit 1996 trägt die 1.Schule für Schwerhörige den Namen dieser Vorkämpferin der Schwerhörigen-Selbsthilfe in Deutschland. Der Berliner Senat würdigte sie, indem er 1995 ihr Grab auf dem Wilmersdorfer Friedhof in den Rang einer Ehrengrabstätte erhob. Das Witzleben-Haus in der Sophie-Charlotten-Straße, in dem der Schwerhörigen-Verein Berlin e.V. seinen Sitz hat, erinnert ebenfalls an diese großartige Frau.

150. Geburtstag Margarethe von Witzleben

Am 22. Februar 2003 jährte sich der Geburtstag von Margarethe von Witzleben zum 150. Mal. Freifrau Margarethe von Witzleben, selbst hörgeschädigt, war die Begründerin der Schwerhörigenbewegung in Deutschland. Um ihr Andenken zu bewahren, wurde die Margarethe-von-Witzleben-Gemeinschaftsstiftung gegründet. Eine der ersten Förderentscheidungen war die Finanzierung einer Gedenktafel, die am 21. Februar 2003 an ihrem ehemaligen Wohnhaus in der Tieckstraße 17 in Berlin-Mitte durch den Bezirksbürgermeister Herrn Joachim Zeller, den Vorsitzenden der Gedenktafelkommission Herrn Volker Hobrack, den Vorsitzenden des Kuratoriums der Margarethe-von-Witzleben-Gemeinschaftsstiftung Dr. med. Harald Seidler und den Geschäftsführer der Margarethe-von-Witzleben-Gemeinschaftsstiftung Herrn Adolf Becker enthüllt wurde.

Im Rahmen eines Festaktes in den Gemeinderäumen der evangelischen Kirchengemeinde Sophien ehrte anschließend der Vorsitzende des Schwerhörigenvereins Berlin, Fritz-Bernd Kneisel die bedeutende Frau, die mit ihrem sozialen Engagement ihrer Zeit voraus war und deren Lebensleistung bis heute weiter wirkt. Frau Uta Dörfer und Herr Professor W. Hartwig Claußen ( verstorben ), Autoren des Buches "Auch einsame Seelen können glücklich sein" (Link zur Webseite des Median-Verlags), zeigten ihre beliebte Interview-Szene eines Zeitungsreporters mit der zur Erde zurückgekehrten Margarethe von Witzleben.

Am 22. Februar 2003 legte die Bezirksbürgermeisterin von Berlin-Charlottenburg-Wilmersdorf Monika Thiemen gemeinsam mit dem Bezirksbehindertenbeauftragten Hartwig Eisel, Dr. med. Harald Seidler und Fritz-Bernd Kneisel am Ehrengrab von Margarethe von Witzleben auf dem Friedhof Berlin-Wilmersdorf einen Kranz nieder.