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Am 5. Februar 1917 war die Beisetzung Freifrau von Witzlebens am Wilmersdorfer Friedhof. Sie hatte den Ablauf ihrer Beerdigung bis ins Detail geplant. (Aufnahme von 1942)

Verantwortung über den Tod hinaus

Dass Freifrau von Witzleben 1908 ihre Aktivitäten durch die Gründung eines Vereins offiziell machte, hatte nicht zuletzt den Grund, dass sie sich schon frühzeitig mit der Zeit nach ihrem Tod befasste. Hephata war ihre Schöpfung und sie war es, die auch später den größten Teil der Arbeit stemmte. Also sollte nach ihrem Tod alles geregelt sein, um die Existenz des Vereins nicht zu gefährden. So befasste sich das Testament Margarethes kaum mit ihren persönlichen Dingen.

Im Mittelpunkt ihres Nachlasses stand der Verein und dessen Vorstand, dem sie die Verplichtung auferlegt hatte, dass sowohl in Berlin als auch in anderen Städten Gottesdienste für Schwerhörige stattfinden möchten. Weitere Bedingungen stellte sie aus Rücksicht auf die Vorstandmitglieder nicht. Denn sie wusste wohl, dass sie den zeitlichen Aufwand, den sie betrieben hatte, von niemanden sonst verlangen konnte. Allerdings hinterließ sie dem Verein eine beträchtliche Summe, die in den Erwerb des heutigen Witzlebenhauses möglich machte und bis heute das Vereinshaus des Schwerhörigen-Vereins Berlin e.V. (SVB) in Berlin ist. Im Jahr 1914 schlossen sich sechs Vereine und 20 Gemeinden in Deutschland zum Hephata-Bund zusammen.

Als Margarethe von Witzleben am 1. Februar 1917 starb, hatte sich die Selbsthilfe der Schwerhörigen und Ertaubten in Deutschland bereits fest etabliert. Margarethe war am Ziel ihrer Arbeit angekommen: Zu zeigen, dass die Behinderung durch eine Hörschädigung nicht zwangsläufig mit einem Leben in Einsamkeit und Bedeutungslosigkeit gleichzusetzen ist. Dass ein lebenswertes, interessantes und reiches Dasein möglich ist, wenn man nicht in Selbstmitleid versinkt, hatte sie selbst vorgelebt. 64 Jahre lang!

INFO

Heute ist der Deutsche Schwerhörigenbund mit Sitz in Berlin die größte Hörgeschädigten-Selbsthilfeorganisation in Deutschland mit rund 90 Ortsvereinen einschließlich Selbsthilfegruppen sowie 15 Landesverbänden. Die höchste Auszeichnung, die der Verein vergibt, ist die Margarethe-von-Witzleben-Medaille, die für herausragendes Engagement zum Wohl schwerhöriger und ertaubter Menschen verliehen wird. Sie darf nur im Besitz von maximal zehn lebenden Personen gleichzeitig sein. Der DSB setzt sich für die sozialen, medizinischen, technischen sowie rechtlichen Belange schwerhöriger und ertaubter Menschen ein. Am 22. Februar 2003 legte die Bezirksbürgermeisterin von Berlin-Charlottenburg-Wilmersdorf Monika Thiemen gemeinsam mit dem Bezirksbehindertenbeauftragten Hartwig Eisel, Dr. med. Harald Seidler und Fritz-Bernd Kneisel am Ehrengrab von Margarethe von Witzleben auf dem Friedhof Berlin-Wilmersdorf einen Kranz nieder. Der Berliner Senat würdigte sie, indem er 1995 ihr Grab auf dem Wilmersdorfer Friedhof in den Rang einer Ehrengrabstätte erhob. Das Witzleben-Haus in der Sophie-Charlotten-Straße, in dem der Schwerhörigen-Verein Berlin e.V. seinen Sitz hat, erinnert ebenfalls an diese großartige Frau.

Quelle: Das Portrait der Margarethe von Witzleben fußt im Wesentlichen auf das Buch von Prof. Hartwig Claußen † und Uta Dörfer „Auch einsame Seelen können glücklich werden“, das 2001 im Median-Verlag, Heidelberg, erschienen und mittlerweile vergriffen ist.