Wenn Menschen schlechter sehen, gehen sie sofort zum Augenarzt bzw. Optiker. Wenn Menschen schlechter hören, geschieht in der Regel sehr lange gar nichts.

 

Warum Aufklärung wichtig ist

Wir sind soziale Wesen und auf die Kommunikation mit anderen Menschen angewiesen. Viele Menschen sind der festen Überzeugung, dass nichts sehen zu können viel schlimmer sei als nichts hören zu können. Sicher kennen Sie den viel zitierten Satz Immanuel Kants: „Nicht sehen trennt von den Dingen, nicht hören trennt von den Menschen“.  Doch, was ist, wenn plötzlich die Sprache als Verständigungsmittel fehlt? Zwischenmenschliche Kommunikation ist auf den sprachlichen Austausch angewiesen, auf eine gemeinsame Sprache. Das kann die Lautsprache, das kann aber auch die Gebärdensprache sein.

Die Arbeit unserer Stiftung konzentriert sich in erster Linie auf die Lautsprache. Das hat damit zu tun, „dass man sich in Deutschland vorherrschend an der rein lautsprachlichen Kommunikation orientiert“. (Deutsche Gesellschaft der Hörgeschädigten)

Bleiben wir deshalb bei der Lautsprache, denn unser Gehör ist für die meisten Menschen der Schlüssel zum sozialen Leben. Es ermöglicht uns in Familie, Schule, Beruf und bei Betätigungen in der Freizeit zu interagieren. Es ermöglicht uns, in Klangwelten einzutauchen, Konzerte und Theater zu genießen.

Obwohl den meisten von uns das alles sehr wichtig ist, wird unser Gehör trotzdem oft stiefmütterlich behandelt. Mit fatalen Folgen: Bei vielen treten durch Schwerhörigkeit körperliche, psychische als auch soziale Probleme ein. Besonders ältere Menschen ziehen sich zurück. Isolation ist eine häufige Folge.

Neuere wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass Hörminderung bei Älteren Gleichgewichtsstörungen nach sich ziehen kann. Auch gibt es wissenschaftliche Untersuchungen, die einen Zusammenhang zwischen Schwerhörigkeit und Demenz sehen.

Doch auch immer mehr junge Menschen treffen Hörbeeinträchtigungen. Ursachen hierfür sind einerseits Musikhören bei hoher Lautstärke, aber auch Umweltfaktoren wie eine verstärkte Lärmbelastung in unserer Umwelt. Auch zögern viele Betroffene entschieden zu lange, bevor sie sich und anderen ihre (vermeintliche) Schwäche gestehen.

 

Wussten Sie…?

… dass nach einer Schätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit rund 300 Millionen Menschen von altersbedingtem Hörverlust betroffen sind (33 Prozent) und allein in den Industrieländern etwa 50 bis 60 Prozent der über 70-Jährigen schwerhörig sind? Hinzu kommen rund 7 Prozent der jüngeren Erwachsenen und 2 Prozent der Kinder.  Damit gehören Hörschädigungen zu den sechs häufigsten Erkrankungen in den Industrienationen
… dass es in Deutschland rund 15 Millionen Menschen gibt, die ein Problem mit dem Hören haben. Sechs Millionen sind schwer betroffen (1)
… dass es einem Ohr bei einem 130-Dezibel-Rockkonzert in etwa so geht wie einer Blumenwiese im Orkan? (2)
… dass 85 Dezibel der offizielle (3) Richtwert ist, ab dem das Gehör bei länger andauerndem Lärm Schaden nehmen kann? Das ist in etwa so laut wie ein Rasenmäher oder eine stark befahrene Straße
…dass es jährlich einen Tag gegen Lärm gibt? (International Noise awareness day) Mit verschiedenen Aktionen wird versucht, die Öffentlichkeit nachhaltig für die Lärmproblematik zu sensibilisieren

Quellen: (1) DSB; (2) und (3) Explore Music, Med-el)