Worte und Teilnahme helfen diesen unbemittelten Leidtragenden nur wenig; ihnen gegenüber gilt es, tatsächlich unter die Arme zu greifen, indem man ihnen ihr trauriges Lebenslos in materieller Weise zu erleichtern sucht.
(Margarethe von Witzleben)

 

Margarethe von Witzleben, nach der die im Jahr 2000 gegründete Gemeinschaftsstiftung benannt wurde, ertaubte selbst in jungen Jahren. Sie wusste um die ökonomischen Folgen der Schwerhörigkeit und Ertaubung, auch wenn sie selbst als Tochter eines adligen Rittergutsbesitzers keine materielle Not kannte.

Anders als heute, war damals von Inklusion in der Gesellschaft noch nicht die Rede. Kaum jemand nahm sich hörbehinderter Menschen an. Schwerhörige Menschen galten meist als lebensfremd und wurden hinsichtlich ihrer geistigen Leistungsfähigkeit zu Unrecht unterschätzt.

Zwar hat sich in unserer Zeit die Auffassung  durchgesetzt, dass jeder Mensch ein Anrecht darauf hat, die seinen Möglichkeiten entsprechende Bildung und Förderung zu erhalten. Dennoch kämpfen auch heute noch Menschen mit einer Hörbehinderung häufig gegen Vorbehalte und müssen Nachteile im gesellschaftlichen Zusammenleben in Kauf nehmen, sei es in der Schule, in der Ausbildung, im Beruf, im Bekannten- und Freundeskreis.

Immer um sich selbst zu kreisen, führt nicht weiter. Positives Denken, Beschäftigung und Engagement hingegen schärfen die Sinne und heben das Selbstbewusstsein. (Margarethe von Witzleben)

 

Früher galt das erst recht. Hörbehinderte Menschen hatten in der Schule Probleme, sie bekamen selten einen Ausbildungsplatz und wurden so zwangsläufig in die Arbeitslosigkeit gedrängt. Bittere Armut und seelische Not waren häufige Folgen, die ein erfülltes Leben erschwerten.

Genau hier setzte Freifrau von Witzleben an, die das Selbstbewusstsein Betroffener stärken wollte. Sie war davon überzeugt, dass der richtige Weg nur Hilfe zur Selbsthilfe sein konnte. Die hörgeschädigte Person sollte sich so weit wie möglich frei von der Notwendigkeit machen, die Hilfe anderer in Anspruch nehmen zu müssen.

Verantwortung für sich selbst zu übernehmen und damit auch für andere Betroffene, darum ging es ihr in erster Linie. Sie war davon überzeugt, dass Freundschaften zu schließen, sich um andere zu kümmern und in der Gemeinschaft mit ihnen zu arbeiten, Hörgeschädigte auf ihrem Weg weiterbrachte. Sentimentalität lag ihr fern.