Alles ist schwer, bevor es leicht wird. (Marc Gassert) 

 

Auch in Deutschland werden die Menschen immer älter. Nie zuvor wurden so viele Hörgeräte verkauft, Tendenz steigend. Und das wundert nicht, denn die Aufnahmefähigkeit des Gehörs lässt ab dem 50. Lebensjahr stark nach. Wurde eine leichte- oder mittelgradige Hörschädigung festgestellt, sind meist die Haarsinneszellen im Innenohr teilweise beschädigt. In diesen Fällen leisten moderne Hörsysteme gute Dienste, den Hörverlust auszugleichen. Sie helfen sogar dabei, wieder einigermaßen an Gesprächen und Veranstaltungen teilzunehmen und andere schwierige Hörsituationen besser zu meistern.

 

Hörgeräte verstärken das Hörsignal

Bei den Hörgeräten unterscheidet man mehrere Kategorien. Zum Beispiel werden einige Systeme hinter dem Ohr getragen, andere im Ohr. Außerdem ist es für die Wahl des richtigen Hörgeräts entscheidend, ob der Hörverlust beide Ohren oder nur ein Ohr betrifft. Zudem gibt es Hörgeräte, die frei verkäuflich sind und vom Hörakustiker nicht individuell angepasst werden können. Und es gibt solche, die rezeptpflichtig und deutlich teurer sind, dafür aber sehr viel genauer auf die ganz spezifische Hörbehinderung des Trägers eingestellt werden können. Besonders die hochpreisigen Hörgeräte sind mittlerweile sehr klein und verschwinden fast ganz hinter dem Ohr. Sie sind digital und können sogar über eine Applikation (App) vom Smartphone aus gesteuert werden. All diese Faktoren sind zwar als Fortschritte zu werten. Jedoch tun sich gerade Ältere zuweilen mit deren Bedienung schwer.

Auch wenn Hörgeräte die Lebensqualität ihrer Träger erheblich verbessern können, kommen viele Menschen nicht mit ihnen klar und nutzen sie nicht so, wie sie das sollten. Denn gerade am Anfang ist es sehr wichtig, das Gehör neu zu trainieren und sich mit dem Hörgerät vertraut zu machen. Auch muss es vom Akustiker immer wieder neu eingestellt werden, bis es passt. Das ist mühsam, lohnt sich aber.

Dass Hörgeräte vor allem älterer Menschen schon nach kurzer Zeit in Schubladen verschwinden, liegt zu großen Teilen daran, dass die Erwartungen an die Hörgerätetechnologie sehr hoch sind. Während eine neue Brille beispielsweise sofort wieder scharfes Sehen ermöglicht, ist ein Hörgerät nicht in der Lage, das Hörvermögen sofort wiederherzustellen. Wer allerdings geduldig mit dem Hörgerät „arbeitet“, der wird nach einer Trainingszeit, die individuell verschieden ist, im Regelfall davon profitieren. Wunder sollte man jedoch nicht erwarten. Denn ein Hörgerät verstärkt ein Tonsignal nur und unterstützt das Hörvermögen. Es kann hingegen nicht den Status Quo des Hörvermögens so wiederherstellen wie er früher einmal war. Kein Hilfsmittel kann das!

 

Hörimplantate ahmen beschädigte Teile des Ohres nach

Das Mikrofon des Audioprozessors nimmt die Schallwellen auf und wandelt sie in elektrische Signale um. Diese werden über die Maghetspule drahtlos über die Haut zum Implantat übertragen und an die Elektroden in der Hörschnecke weitergegeben, die wiederum die Impulse an den Hörnerv weiterleiten.
Cochlea-Implantat

Bei hochgradiger bis an Taubheit grenzender Schwerhörigkeit, gilt heute das Cochlea-Implantat (CI) als das Hilfsmittel der Wahl. Die Hörprothese ahmt den natürlichen Hörvorgang nach, ersetzt ihn jedoch nicht. Durch seine Elektroden stimuliert es den noch intakten Hörnerv direkt, der die Audiosignale an das Gehirn überträgt. Zwar sind Gespräche im kleinen Kreis mit einem CI nach einer gewissen Zeit wieder möglich. Doch brauchen viele CI-Träger zum besseren Verständnis das Mundbild ihres Gegenübers.

Musikhören, Telefonieren, die Teilnahme an Diskussionen in größerer Runde, Theater, Kino, Fernsehen − all diese Dinge gehen auch mit CI nicht zwangsläufig und hängen sehr stark von der individuellen Lebenssituation ab.
(In diesem 44 Sekunden dauernden Video auf der Webseite des Universitätsklinikum Dresden ist die Funktionsweise eines CI animiert dargestellt.)

Auch wenn in den letzten Jahrzehnten die Operation eines Cochlea-Implantats sehr viel risikoarmer geworden ist: die Methode ist nach wie vor invasiv und sollte nicht verharmlost werden. Denn ein Teil des Systems muss in den Schädelknochen implantiert werden. Zudem kann es vorkommen, dass das Implantat vom Körper abgestoßen wird oder durch Einsetzen des Elektrodenstranges in den Gehörgang ein eventuell vorhandenes Resthörvermögen zu Schaden kommt. Und letztlich sollte man wissen, dass Magnetresonanztomographie-Untersuchungen (MRT) bei Trägern von Cochlea-Implantaten nicht ohne weiteres möglich sind.

Wegen dieser Faktoren wird zum Beispiel an der Universität Tübingen an einer Ergänzungstechnik zwischen einem Cochlea-Implantat und einem Hörgerät geforscht.

Darüberhinaus gibt es für Patienten mit einer Mittelohrschwerhörigkeit oder einer Innenohrschwerhörigkeit Mittelohrimplantate. Diese haben eine größere therapeutische Breite, zudem ist die Dauer der Operation deutlich kürzer. Mittelohrimplantate der neuen Generation ermöglichen sogar ein MRT. Daher gelten aktive Mittelohrimplantate für jene Schwerhörige als eine interessante Option, die mit einem klassischen Hörgerät unzufrieden sind und die invasive Implantation eines Cochlea-Implantats wegen des Risikos für ihr vorhandenes Resthörvermögen scheuen.

Ein weiteres Implantat-System sind Knochenleitungsimplantate, die sich für Menschen anbieten, die einseitig taub sind. Solche Systeme übertragen den Schall über den Schädelknochen von der tauben Seite an das Innenohr der normal hörenden Seite.

 

Wussten Sie…?

…dass eine Milliarde Euro mittlerweile in Deutschland für Hörhilfen ausgegeben werden – mit steigender Tendenz. Aktuelle Branchenzahlen belegen das Wachstum auf dem Hörgerätemarkt. 2014 gingen etwas mehr als 1,22 Millionen Hörgeräte über den Ladentisch. Der Grund für den Rekordabsatz 2014: Die Krankenkassen hoben Ende 2013 den Festbetrag von rund 360 Euro auf knapp 785 Euro an, mit dem Hörgeräte bezuschusst werden. Damals hatten sich viele Schwerhörige, die bis dahin nicht versorgt waren, eine (günstige) Hörhilfe zum Preis der Kassenleistung zugelegt. 2015 lag der Absatz auf dem Hörgerätemarkt bei 1,5 Milliarden Euro. (Zahlen audibene)