Die Forschung befasst sich vor allem mit den medizinischen und technischen Möglichkeiten einen Hörverlust zu „heilen“ oder technisch auszugleichen.

 

Die Möglichkeiten der „Heilung“ einer Hörschädigung sind sehr begrenzt. Medikamentöse Ansätze und Infusionsbehandlungen haben sich nach allgemeiner Auffassung weitgehend als wirkungslos erwiesen.

Psychologische, bio-dynamische oder andere alternative Angebote versprechen nach wie vor Besserung im Einzelfall, sind den wiederholbaren oder wenigstens statistischen Nachweis ihrer Wirksamkeit aber ebenfalls schuldig geblieben. Bleibt bei einer Mittelohr-Schädigung die Möglichkeit eines operativen Eingriffs in den Ohr-Mechanismus. Das betrifft etwa 10 Prozent der Fälle.

Für die übrigen 90 Prozent der Betroffenen kommen mehr oder weniger ausschließlich technische Hilfsmittel in Frage. Die Basis einer Hörversorgung sind dabei Hörgeräte. Die Einführung der Digitaltechnik hat diesen heute meist „Hörsysteme“ genannten Geräten eine Fülle von neuen Verarbeitungsstrategien beschert, die zu erheblichen Verbesserungen auch in schwierigen Hörsituationen führen können. Die Forschung an diesen Themen wird von den Hörgeräte-Herstellern selbst sowie an einigen Hochschulen in Deutschland betrieben.

Eine besondere Art technischer Hilfsmittels bilden die Cochlea-Implantate. Medizinisch handelt es sich um Prothesen, da die Hörelektrode operativ in die Hörschnecke des Innenohrs implantiert wird. Die Übertragung des Hörsignals erfolgt nicht mehr mechanisch-akustisch, sondern elektrisch. Auch hierzu findet die Forschung an mehreren medizinischen Hochschulen in Deutschland und international statt. Operations- und Übertragungstechnik der Cochlea-Implantate können inzwischen als klinische Routine betrachtet werden. (Die Problematik, dass dabei das Resthörvermögen eventuell in Mitleidenschaft gezogen wird, bleibt nach wie vor. Da niemand weiß, ob dieser kleine Rest des Gehörs eines Tages nicht doch noch genutzt werden könnte, wenn die Forschung weiter fortgeschritten ist, bleibt dieses Restrisiko bestehen.)

 

Höranstrengung abhängig vom eigenen Hörvermögen

Bei allen technischen Fortschritten bleiben für die Betroffenen mit zunehmender Hörschädigung spürbare Defizite beim Hören. Die Schäden des Innenohres können weder durch noch so fortgeschrittene Hörsysteme noch durch Cochlea-Implantate vollständig ausgeglichen werden. Für die Betroffenen bedarf es weiterhin und immer einer deutlich erhöhten Konzentration, um dem Gehörten folgen zu können.

In der Forschung spielt deshalb das Thema der Höranstrengung eine zunehmende Rolle. Die Höranstrengung zu messen und im Vergleich mit verschiedenen Formen der Hörversorgung zu bewerten, sind Aufgaben, denen sich die Forschung neuerdings stellt.

Einige Forschungseinrichtungen befassen sich auch mit der Lebenssituation der Menschen mit Hörschädigung. Das entspricht der Überlegung, dass die Betroffenen über das organische Hör-Defizit hinaus noch von vielfältigen Folgen ihrer reduzierten Kommunikations- und Teilhabemöglichkeiten belastet sind. Angesichts des hohen Anteils älterer schwerhöriger Menschen stellt sich zum Beispiel die Frage, wie diese mit ihrer Hörschädigung zurechtkommen, wenn sie alleine wohnen oder auch, wie und ob ihre besonderen Bedürfnisse in entsprechenden Pflegeeinrichtungen behandelt und berücksichtigt werden könnten.

 

Wussten Sie…?

…dass etliche, der Gesundheit und dem menschlichen Wohlbefinden dienende Forschungsergebnisse häufig ein Nebenprodukt anderer, ökonomischen und politischen Interessen geschuldeter wissenschaftlicher Arbeiten sind? So profitierte beispielsweise die Entwicklung der Cochlea-Implantate von ganz unterschiedlichen Forschungsergebnissen aus ganz anderen Bereichen. Bedeutsame Erkenntnisse zum Design kleinerer Schaltkreise haben ihren Ursprung in der Raumfahrtindustrie. Weitere wichtige Forschungsergebnisse wurden bereits in den 1960er Jahren erzielt hinsichtlich der Biokompatibilität verschiedener Materialien, der Isolation von Elektroden und der Wirkung von elektrischer Stimulation (z.B. bei Herzschrittmachern).
Als Neil Armstrong am 20. Juli 1969 als erster Mensch den Mond betrat und bemerkte, dass dies zwar „ein kleiner Schritt für einen einzelnen Menschen, aber ein großer Sprung für die ganze Menschheit“ sei, hatte er sicher kaum die Gruppe hörgeschädigter Menschen weltweit im Hinterkopf. Und dennoch bilden die Erkenntnisse aus Physik, Elektronik, Materialforschung und Audiologie die Grundlage für die Entwicklung funktionstüchtiger Hörprothesen wie dem Cochlea-Implantat.

Quelle: Comenius 2.1 Aktion Qualifikation von pädagogischen Fachkräften in der Hörgeschädigten-Förderung, Studienbrief 5, Monika Lehnhardt. (Gefunden in „Klänge aus dem Schneckenhaus: Cochlea-Implantat-Träger erzählen“ von Maryanne Becker)